Gedicht des Monats August

Der Schwan

Es war einmal ein Hahn,
der liebte einen Schwan.
Der Schwan zog seine Bahn
bei Limburg auf der Lahn.
Da hatt der Hahn ‘nen Plan:
Er lieh sich einen Kahn
in seinem Liebeswahn
und folgte stets dem Schwan.
Der hat das abgetan.
Was will denn dieser Hahn?
Der ist doch viel zu lahm,
dachte der Schwan im Tran
und zog stolz seine Bahn.
So schwammen Schwan und Hahn
bei Limburg auf der Lahn
die Bahn vom Schwan
meist simultan.

Gedicht des Monats Juli

Rätsel der Natur

Die Wächse pflanzt.
Die Keimel zwiebt.
Die Sprieße knollt.
Die Knacke schalt.
Die Platze hülst
Die Treibe knospt.
Der Reifel apft.
Der Schießel spargt.
Die Romate ist tot.
Und aus Brehl wird Mot.

Gedicht des Monats Juni

Das verrückte Orchester

Bashir spielt verstimmtes Klavier.
Cameron quetscht das Akkordeon.
Danuba spuckt in die Tuba.
Eika schrammelt die Balalaika.
Franjo hackt Banjo.
Gabriela trötet die Vuvuzela.
Hauke haut auf die Pauke.
Isabelle dängelt die Schelle.
Jette würgt ihre Klarinette.
Katrine rupft eine Mandoline.
Lotte strapaziert die Fagotte.
Margarete quält die Trompete.
Nikolas schrubbt am Kontrabass.
Orongo traktiert seine Bongo.
Paola zersägt die Viola.
Quentin zerdrischt das Tamburin.
Raffaello stümpert am Cello.
Sabine kratzt eine Violine.
Thorn tutet ins Horn.
Udgeru prustet ins Didgeridoo.
Veronika jault Mundharmonika.
Wilson prügelt das Xylophon.
Xara krächzt wie ein Ara.
Yorgel misshandelt die Orgel.
Zoë heult an der Oboe.

Und wer dirigiert,
fragen alle verwirrt?

Das ist der Anton,
denn der gibt den Ton an.

Gedicht des Monats Mai

Dämmerung, April 2020

nach Alfred Lichtenstein

Ein dicker Junge spielt mit einem Teich.
Der Wind hat sich in einem Baum verfangen.
Die Menschen wirken plötzlich nicht mehr reich,
als wären alle Lampen abgehangen.

Die Schienen tragen leere Straßenbahnen.
Ein Mann steht maskenhaft vor einer Wand.
Im Bücherladen kann man Stille ahnen,
als wären die Romane schon bekannt.

Auf einem Gartentisch steht eine Vase,
wie wenn sie auf den Gruß der Tulpen hofft.
Am Fenster klebt noch eine Kindernase.
Ein Möwenschrei. Der Kirchturm schlägt zu oft.

Gedicht des Monats April

Verkehrt

Wenn der Mist auf dem Hahn sitzt
und die Nacht durch die Eule flitzt,
wenn die Stunde die Kirchturmuhr schlägt
und der Reiter sein Pferd trägt,
dann steht der Kopf auf der Welt
und das Gedicht im Hund bellt.