Ans Meer, ans Meer!

Großer Umzug von den Voralpen an die Nordsee. Nach fast 30 Jahren ziehe ich mit meiner Frau aus München fort nach Cuxhaven. Viele Gründe haben uns zu dem großen Schritt bewogen. Nicht zuletzt aber war es die Sehnsucht nach Meer. Die Möwen haben uns immer lauter gerufen. Vom 15. September an können wir nun vom Fenster aus hinter dem Deich die großen Pötte vorbeifahren sehen Richtung Hamburg oder hinaus in die weite Welt. Ich hoffe jedoch, dass uns die vielen Verbindungen im Süden bleiben werden, meine Münchner Verlage weiter an mich glauben und ich manche der schönen Orte, an denen ich Lesungen hatte und liebenswerte Veranstalter und Veranstalterinnen kennenlernen durfte, vielleicht auch vom fernen Cuxhaven aus noch mal bereisen darf, um mit Kindern Gedichte zu feiern.

Gedicht des Monats August

Der ungebetene Gast

Ein Schnupfen zog in eine Nase ein.
Die Nase fand das sehr gemein,
wollt lieber ohne Mitbewohner sein.

Aus lauter Wut wurd‘ sie zu einem feuerroten Zinken,
so sehr tat ihr der Fremde in den Wohngemächern stinken.

Die Nase lief, die Nase schniefte,
die Nase nieste und sie triefte.

Hatschi! Hatschi!
Hatschi! Hatschi!
Du mieser Schnupfen, los jetzt, flieh!

Drei Tage ging das Niesen, Triefen, Schniefen so,
bis dass der Gast tatsächlich floh

mit einem allerletzten -tschi!

Gedicht des Monats Juli

Seltsame Dinge

Ein Comicbuch auf Kinobesuch.
Ein Wassertopf mit Mantelknopf.
Eine Lederhose in Spaghettisoße.
Ein Kleiderschrank im Stolpergang.
Ein Riesenrad im Brausebad.
Ein Teufelsritt auf zwei Pommes frites.

Was ist nur los mit dem Gedicht?
Reimen etwa die Zeilen nicht?

Helgoländer Dichtertreffen

v. links: Arne Rautenberg, Uwe-Michael Gutzschhahn, Mona Harry, Manfred Schlüter, Nils Mohl, Lena Raubaum, Michael Augustin

Alles begann mit dem Buch „Mein Urgroßvater und ich“ von James Krüss, das ich als Kind las. Ich verliebte mich in Helgoland und fuhr wieder und wieder auf die Insel. Später als Autor erinnerte ich mich an die Gespräche des Urgroßvaters mit dem kleinen Boy über das Schreiben und Dichten und daran, wie die beiden zusammen Verse schmiedeten, denn darum geht es ja in dem berühmten Roman.
Im kommenden Jahr wäre Krüss 100 Jahre alt geworden. Da dachte ich irgendwann, man sollte den Urgroßvater nehmen und über ihn diskutieren, seine Bilder und Verse nutzen und neue Gedichte schreiben. Die Krüss-Erbengemeinschaft begeisterte sich auf Anhieb für diesen Plan und hat die wunderbare Möglichkeit geschaffen, in den Tagen vom 11.-15. Mai ein Helgoländer Dichtertreffen auszurichten, bei dem sieben Kinderlyriker und -lyrikerinnen – wie einst der Urgroßvater und der kleine Boy in einer Hummerbude – über Krüss sprechen, von ihm inspiriert Gedichte schreiben, die neuen Texte diskutieren und am Ende bei einer öffentlichen Lesung im Helgoländer Museum vorlesen sollten. Mit von der Partie waren schließlich Michael Augustin, Mona Harry, Nils Mohl, Lena Raubaum, Arne Rautenberg, Manfred Schlüter und ich. Es war die perfekte Runde! Und es sind großartige Texte entstanden, die das Publikum (Helgoländer und Urlauber) begeistert aufnahm und in ihnen staunend viele Spuren bekannter Krüss-Gedichte entdeckte. Zum Krüss-Jubiläum im Frühjahr 2026 werden zum Glück all diese Gedichte beim Atrium Verlag in Hamburg auch als Buch erscheinen.
Es war eine tolle gemeinsame Zeit, die wir sieben Autoren und Autorinnen ganz sicher so schnell nicht vergessen werden!

Gedicht des Monats Juni

Eine seltsame Geschichte

Einmal schwamm ein Fisch durchs Fenster,
als ich am Schreibtisch saß.

Ich versuchte ihm Wasser zu geben,
mein Laptop wurde ganz nass.

Ich beschrieb ihm die Ozeane,
die Wellen machten ihm Spaß.

Er genoss das Rauschen,
als ich Geschichten vorlas.

Während er neugierig lauschte,
starrte er auf mein Glas.

Dann verschwand er plötzlich
draußen durchs wogende Gras.