Gedicht des Monats August

Still

Fünf Buchstaben nur,
ein kurzes Wort,
schnell da, schon fort.

Braucht kaum Platz
in einem Satz.
Klingt ganz leise.

Doch wer will,
hört im „Still“
vielleicht ein Blatt.

Würmer im Watt
und eine Ameise
auf ihrer Reise.

Gedicht des Monats Juli

Gespenster

Nachts kommen Gespenster,
lugen durchs Fenster,
treten ins Zimmer
mit leisem Gewimmer,
kriechen ins Bett,
machen sich fett,
stoßen mich ohne Erbarmen
mit ihren Armen,
treten mich mit den Beinen,
nölen und greinen,
schieben mich weg
ans äußerste Eck,
schmeißen mit Schwung mich
hinaus auf den Teppich.

Werde ich wach,
denke kurz nach:
Wieso lieg ich komplett
in meinem Bett?

Le Merle moqueur

Der französische Schriftsteller und Übersetzer Francis Combes bat zu Beginn des Ukraine-Krieges Dichterinnen und Dichter aus aller Welt um Gedichte gegen den Krieg. Inzwischen sind auf der Facebook-Seite von Le Merle moquer (zu deutsch: Spottdrossel), dem französischen Ableger des World Poetry Movement (WPM), viele internationale Gedichte versammelt und es gibt täglich neue – jeweils in der Originalsprache und in französischer Übersetzung. Als Nr. 92 ist gerade mein Gedicht „Häuser versetzen“ erschienen, die Übersetzung stammt von dem französischen Germanisten und Lyriker Bruno Berchoud. Wer die Seite mit dem Gedicht einsehen will, findet es unter dem Link https://www.facebook.com/Le-Merle-moqueur-WPM-France-104719004829003. Auch Dichter wie Michael Augustin und Manfred Schlüter findet man bei Le Merle moqueur mit Gedichten gegen den Krieg.

Zehn Hunde im neuen GECKO

Alle zwei Monate erscheint eine neue Ausgabe der wunderbaren Kinderzeitschrift GECKO, die in München von Muriel Rathje und Anke Elbel herausgegeben wird. In der nun schon 89. Ausgabe für den Monat Mai findet sich auch – und gleich auf den ersten Seiten – „Die Geschichte von den zehn Hunden“. In zwölf gereimten Strophen verliert sich ein Hund nach dem andern, bis der letzte müde und erschöpft allein durch die Gegend trottet. Doch da entdecken ihn die neun anderen Hunden, die unterwegs verlorengegangen sind und sich inzwischen wiedergefunden haben, und nehmen auch ihn wieder auf. Und die Geschichte beginnt von Form: „Es gab mal ein Hunderudel, / das war zu zehnt unterwegs. / Darunter war auch ein Pudel, / der verschluckte sich an einem Keks.“ So geht das immer weiter. Die Geschichte habe ich mal für die Illustratorin Sabine Kranz geschrieben, als ich ihre großartigen Hundezeichnungen entdeckte. Und nun wimmelt es hier Seite für Seite von herrlichen Exemplaren. Mit Sabine Kranz habe ich schon 2018 die Anthologie „Sieben Ziegen fliegen durch die Nacht“ bei dtv gemacht. Und im Herbst kommt, von ihr illustriert, mein neues Bilderbuch „In meinem Rucksack wohnt ein Tiger“ bei Sauerländer.