Ob der Hinundhering die Queen besuchen wollte, um ihr beim Tee Nonsens-Gedichte vorzulesen, ist leider nicht bekannt. Doch scheint er tatsächlich im königlichen Park von Windsor gewesen zu sein. Oder war es nur ein würdig silbern glänzender Doppelgänger des wunderbaren Fischs, den Sabine Wilharm für das Cover der Anthologie „Ununterbrochen schwimmt im Meer der Hinundhering hin und her“ geschaffen hat? Wie auch immer: Wir verneigen uns vor Ihrer Hoheit, dass sie das schöne Tier als Kunstobjekt im Park geduldet hat, wo es doch fremde Geschöpfe durch den drohenden Brexit in England immer schwerer haben. So ein Unsinn.
DAS GEDICHT Nr. 26 – ein Wendeheft
Leicht verspätet, aber endlich da: die neue, 26. Ausgabe der Lyrikzeitschrift DAS GEDICHT ist gerade noch rechtzeitig zum Termin der ersten Heft-Präsentation in Schleswig frisch aus der Druckerei bei Verleger Anton G. Leitner in Weßling eingetroffen. Ein Wende-Heft zum 30. Jahrestag der politischen Wende in Deutschland, aber auch eine Ausgabe, in der es um Wendepunkte im Privaten und poetische Drehs in Gedichten selber geht. Zusammengestellt wurde das neue Heft, das man von vorn und hinten lesen kann, durch Anton G. Leitner und die Journalistin und Lyrikerin Melanie Arzenheimer. Den Kindergedicht-Part durfte nun schon zum dritten Mal ich zusammenstellen – mit insgesamt 30 neuen Texten. Bei der Präsentation des Heftes im Schleswiger Haus der Kulturstiftung am 24. November haben neben den zwei Herausgebern die Autoren Thilo Mandelkow (Tarstedt), Arne Rautenberg (Kiel), Manfred Schlüter (Hillgroven in Dithmarschen), Michael Augustin, Ulrich Beck, Sujata Bhatt (alle drei aus Bremen) und ich aus den Texten gelesen.
- v.l.n.r. Manfred Schlüter, SujataBhatt, Uwe-Michael Gutzschhahn, Bärbel Wolfmeier, Thilo Mandelkow, Anton G. Leitner, Ulrich Beck, Melanie Arzenheimer, Michael Augustin, Arne Rautenberg
- Im Herausgebergespräch über die Heft-Entstehung: v.l.n.r. Uwe-Michael Gutzschhahn, Melanie Arzenheimer, Anton. G. Leitner
- Cover
Gedicht des Monats Dezember
Leichter Schnee
Einmal zählte ich den Schnee.
Ich zählte die Flocken, ihre Kristalle.
Die Spitzen alle
berührten wie winzige Katzentatzen
behutsam den See.
Als würden sie fast noch schweben,
zitternd vor Leben.
Als würden sie nur einen Augenblick schwatzen
und flögen dann weiter
wie eine eisige Fee.
In der Heimat von Josef Guggenmos
Seit diesem Jahr wird der Josef-Guggenmos-Preis im Geburts- und Heimatort des 2003 verstorbenen Dichters verliehen. Irsee, das inmitten des Allgäu – in der Nähe von Kaufbeuren – liegt, ist berühmt für sein im Barock erbautes Benediktinerkloster, das heute eine wunderbar hergerichtete Tagungsstätte beherbergt. Die Verleihung des einzigen deutschen Kinderlyrikpreises war dort in dem schönen Ambiente eingebettet in eine Tagung zum Thema „Eine neue Sicht auf das Kindergedicht“. Vorträge gab es von Professor Hans-Heino Ewers, dem Guggenmos-Entdecker und ehemaligen Verleger Hans-Joachim Gelberg, aber auch von namhaften Autoren wie Susan Kreller (über das Lyrik-Übersetzen),
Nadia Budde (über das Lyrik-Illustrieren), Paul Maar (über die Frage, warum sich Kinder für Gedichte begeistern) und mir (über Sprachkunst im Kindergedicht). Eine große Lesung mit dem diesjährigen Preisträger Michael Hammerschmid aus Wien, Arne Rautenberg aus Kiel, dem Preisträger des ersten Preises von 2016, Heinz Janisch und den zuvor genannten Autoren ergänzte die gelungene und gut besuchte Tagung. Wer will, kann meinen Vortrag hier nachlesen.
Bild: (c) Ulrich Störiko-Blume, München
Gedicht des Monats November
Federn
Mein Engel zählt seine Federn,
die schönen mit weichem Flaum.
Sein Körper ist uralt und ledern,
er fliegt mir durch meinen Traum.
Ich lebe in schwarzgrünen Zedern
und halte die Vögel im Zaum.
Ich sammle die taumelnden Federn
und hänge sie neu in den Baum.