Huckepack-Preis für ein Bilderbuch

Das Institut für Bilderbuchforschung der Universität Bremen und die Phantastische Bibliothek Wetzlar haben zum fünften Mal den Huckepack-Preis verliehen. Diesmal wurde das Bilderbuch „Adrian hat gar kein Pferd“ von Marcy Campbell und Corinna Luyken ausgezeichnet. Meine Übersetzung des amerikanischen Buches ist im cbj-Verlag bei Random House erschienen. Für die Autorin Marcy Campbell war es die erste Veröffentlichung und wohl auch der allererste Preis. Die Jury zeichnet regelmäßig Titel aus, die durch ihre Bildästhetik und Sprache überzeugen, Kindern zudem auch Halt und Weitsicht geben, sie ermutigen und sozusagen Huckepack nehmen. Über das Preisbuch in diesem Jahr, das unter 373 Titeln ausgewählt wurde, sagt Jurymitglied Elisabeth Hollerweger von der Uni Bremen: „Es ist ein zauberhaft gestaltetes Kinderbuch um Empathie und die Macht der Phantasie.“ Leider kann in diesem Jahr wegen Corona keine Preisverleihung im Bremer Rathaus stattfinden. Dafür gibt es jedoch einen Videoclip bei YouTube, in dem Cornelia Tillmanns den Text zu den Bildern des Buches liest. Zu finden ist der Clip unter https://youtu.be/M7HHfpI0qUc

Gedicht des Monats Mai

Dämmerung, April 2020

nach Alfred Lichtenstein

Ein dicker Junge spielt mit einem Teich.
Der Wind hat sich in einem Baum verfangen.
Die Menschen wirken plötzlich nicht mehr reich,
als wären alle Lampen abgehangen.

Die Schienen tragen leere Straßenbahnen.
Ein Mann steht maskenhaft vor einer Wand.
Im Bücherladen kann man Stille ahnen,
als wären die Romane schon bekannt.

Auf einem Gartentisch steht eine Vase,
wie wenn sie auf den Gruß der Tulpen hofft.
Am Fenster klebt noch eine Kindernase.
Ein Möwenschrei. Der Kirchturm schlägt zu oft.

Lyrik in Corona-Zeiten 3

Ab sofort gibt es bei YouTube ein zwanzigminütiges neues Kinderlyrik-Video, das ich für den Verlag dtv eingelesen habe. Die gut 20 Gedichte habe ich aus der Anthologie „Sieben Ziegen fliegen durch die Nacht“ ausgewählt. Vertreten sind Dichter wie Yaak Karsunke, Jürgen Brater, Franz Hohler, Jutta Richter, Alex Dreppec, Heinz Janisch, Manfred Schlüter, Susan Kreller, Arne Rautenberg, Hanna Johansen, Michael Augustin, Paul Maar, Gerald Jatzek, Gerhard Rühm und Jan Koneffke. Auch ein Gedicht von mir ist dabei. Ich hoffe, dass viele Kinder (und natürlich auch Erwachsene) in diesen schwierigen Zeiten zu Hause ihren Spaß an den gesprochenen Gedichten finden werden. Wer die Texte übrigens nachlesen will, der kann das Buch „Sieben Ziegen fliegen durch die Nacht“, wunderschön illustriert von Sabine Kranz, in jeder Buchhandlung bestellen und hat es schon einen Tag später in der Hand. Das Buch enthält insgesamt hundert neue Kindergedichte und kostet nur 16,95 Euro. Und hier noch der YouTube-Link.

Lyrik in Corona-Zeiten 2

Die Akademie für Kinder- und Jugendliteratur in Volkach hat in diesen schweren Zeiten der Corona-Krise ein neues Portal für Kindergedichte online gestellt, das kontinuierlich neue Lesungsbeiträge von Kinderlyrikern präsentiert. Jede Lesung ist zwischen fünf und zehn Minuten lang und wird von den Autorinnen und Autoren per Handy-Video aufgezeichnet. Begonnen hat das Ganze mit einem Beitrag von mir, in dem ich drei Gedichte aus dem Buch „Die Muße der Mäuse“ lese („Begrüßung“, „Besuch“ und „Krähen“), ein Gedicht aus meinem Anfang September erscheinenden „MÄUSEKINO“ („Ich will spielen“) und zwei unveröffentlichte Gedichte aus dem Manuskript: „Das verrückte Orchester“ und „Ein Hut“. Wer die Videos – als Nr. 2 ist ein schöner Beitrag von Heike Nieder erschienen – anschauen und anhören will, kann sie auf Facebook, auf YouTube oder auf der Homepage der Volkacher Akademie anklicken.

Einen Luchs für den Koffer

Surprise! Surprise! Jeden Monat vergibt die Zeitung DIE ZEIT gemeinsam mit Radio Bremen den LUCHS. Eine ehrenwerte Kinderbuchauszeichnung. Ich habe sie bislang weder für eines meiner Gedichtbücher noch für irgendeine Übersetzung erhalten, nur einmal als Herausgeber für die Jugendbuchfassung des berühmten Romans „Der Baron auf den Bäumen“ von Italo Calvino. Das war 1992. Natürlich wünscht man sich immer, diesen seltenen Luchs zu sichten und zu bekommen. Und nun, im April 2020 ist es passiert: Die Auszeichnung geht an das von mir übersetzte Bilderbuch „Der Koffer“ von Chris Naylor-Ballesteros, das gerade bei Sauerländer erschienen ist. In der Begründung zu der Auszeichnung heißt es: „Mit Der Koffer findet Naylor-Ballesteros ein so naheliegendes wie geniales Bild für das, was die mehr als 70 Millionen Menschen, die derzeit weltweit auf der Flucht sind, an Erlebnissen und Entbehrungen, Verlusten und Ängsten mit sich herumtragen.“ Das Buch gehört zu meinen besonderen Lieblingen unter den Übersetzungen. Ich freue mich, dass es nun mit dem LUCHS geehrt wird. Hier der Link zur ZEIT-Besprechung.